Die Sache mit // dem Vorstellen

Liebe Leserin, lieber Leser,

wirklich lange habe ich mit dem Gedanken gespielt, mir ein elektronisches Ventil für das Chaos in meinem Kopf zuzulegen, das da ständig sein Unwesen treibt. „Monkeys“ halt. (Das Stichwort genügt zumindest in meinem Freundeskreis oft aus, um den Gefühlszustand des „i woaß eh, doss net so org is, owa i kuma net hölfn“ zu benennen.)
Schreiben hat mir da schon immer geholfen. Um wieder klar zu denken; um weiterzugehen, wenn es mal wirklich schwierig geworden ist. Wir kennen es ja eh alle: dieses ständige Auf und Ab, diese sich immer wieder aufdrängende Frage: wozu das Ganze?

Die Sache mit dem Jungsein.

Ja, auch ich bin eine dieser im Netz bereits viel Beschriebenen Anfang/Mitt-ZwanzigerInnen, die einfach regelmäßig, ja alle paar Wochen mal im Leben so richtig anstoßen und sich fragen, ob sie das alles so eigentlich wirklich wollen. Die Antwort ist

N….JEIN.

Dieser Studentenjob, den ich ganze vier Jahren gemacht habe, bevor ich endlich zum nächsten seinesgleichen wechselte (ich weiß es nicht for a fact, aber es würde mich nicht wundern, irgendwann herauszufinden, dass meine Freunde damals schon Wetten darauf abgeschlossen haben, wann ich es denn wirklich schaffen würde, zu kündigen). All diese Möglichkeiten, all diese offenen Türen und das Nichtwissen, welche Abzweigung man nehmen soll. Sich dann doch für einen Weg entscheiden, nur um drei Monate später wieder alles mit einem großen Fragezeichen zu versehen. Dieses Festhalten am Universitätsgerüst, weil man sich noch nicht so ganz in die weite Welt hinaus traut (you don’t know what’s behind the wall. Real life is comin. #esmusstesein #sorrynotsorry). Das ins Ausland gehen, weil man ja ohne Erasmus-Semester fast nichts mehr wert zu sein scheint. Das Freundschaftenschließen und wieder –ausmisten. Das Sich-verlieben und Sich-wieder-trennen, weil sich die wenigsten heutzutage mehr wirklich auf jemanden einlassen können und/oder wollen. Das ständige Existenzangst-haben, weil der Opa vielleicht irgendwann mal in der Krone gelesen hat, wir hätten später sicher keine Pension mehr und man aus irgendeinem irrationalen Grund plötzlich glaubt, was dieses Schundblatt schreibt. Das nicht enden-wollende WG-Leben und die Angst davor, sich mit dem selben Mitbewohner wie heute noch in 40, 50 Jahren über eben jene vom Opi prophezeite, ausbleibende Pension zu beschweren. Das Auswandern-wollen, weil die FPÖ immer stärker wird und man vielleicht  glaubt, woanders wäre es … ja… anders. Ahja, und warum zur Hölle ist Marihuana eigentlich noch immer illegal?

Puh.

Und ich hab nicht im Geringsten alles angesprochen, was zumindest mich nachtsüber nicht zum so heiß ersehnten Zen-Zustand kommen lässt. Aber alles in einem einzigen Blogeintrag abzuhandeln wär ja nicht nur unrealistisch, sondern würde vor allem die Idee hinter dem ganzen Blog ad absurdum führen – welche da wäre:

Tag ein, Tag aus beschäftigen mich zeitgleich gut eintausend Dinge, die sich bei weitem nicht alle in zwei, drei Schubladen einordnen lassen. In meinem Kopf dreht es sich regelrecht und manchmal kommt dabei sogar was ganz Wertvolles für andere raus. Hab ich mir zumindest sagen lassen. Auch will ich offensichtliche Ungerechtigkeiten, die mir regelmäßig aufstoßen, nicht mehr als „is halt so“ abzutun, sondern aufzeigen, wo’s brennt (siehe Kategorie Die Sache mit …). Ich will nicht mehr eine Serie nach der anderen bingewatchen, nur um nicht hinzuhören, wenn mich die monkeys da oben nachts nicht schlafen lassen. (Wobei ich natürlich aus anderen Gründen trotzdem lebenslange Advokatin des Bingewatchen bin und bleiben werde.)

Was bewegt, das bewegt halt. Und ich bin es satt, leise zu sein. Ich muss mich in dieser Richtung endlich ausleben, meinem gedanklichen Innenleben eine Stimme geben – soul gush halt. Und wenn ich dabei vielleicht dem ein oder anderen sogar das Gefühl geben kann, dass er nicht allein ist mit seinen Problemen und Gedanken und ihm womöglich sogar noch ein Lächeln mit meinen Hirngespinsten auf die Lippen zaubern kann, dann war’s mir das schon wert, diesen Blog ins Leben zu rufen.

Danke, wenn du, liebe Leserin, lieber Leser, auch an dieser Stelle noch liest. Ich hoffe aufrichtig, du hast nicht das Gefühl, die letzten zwei, drei Minuten deiner wertvollen Lebenszeit wieder zurückzuwollen 😉
Es würde mich jedenfalls freuen, wenn du in den nächsten Wochen ab und zu mal hier vorbeisiehst und deinen Senf zu meinen gedanklichen Ergüssen dalässt. Oder auch nicht. Jeder, wie er mag.

Als kleine Faustregel: hier wird geschrieben über alles, was mich gerade bewegt. In der Sprache, in der es mich gerade bewegt (sei es Deutsch, English, Denglish, oder gar ein paar Fetzen Russisch). Und zwar auch genau dann, wenn es mich bewegt. Da können schon mal ein paar Wochen dazwischen liegen. Ich will mir hier keine Regeln aufstellen, sondern einfach mal machen. Weil ich eh schon viel zu lange gewartet habe…

Ich freue mich auf alles, was da so kommt in der nächsten Zeit!

Danke für deine Aufmerksamkeit

und hoffentlich

bis bald,

J.

6 thoughts on “Die Sache mit // dem Vorstellen

  1. Sue says:

    Der perfekte Name für Dein Baby! Die Fotos sind fein und gleichzeitig kraftvoll. Wunderschön!
    Und die Texte sind genau so, wie ich Dich kenne und liebe…offen, frei, ehrlich, sprühend und bestens formuliert. Eine Tiefseetaucherin mit dem Herzen auf der Zunge. Gratuliere Dir zu diesem großen Schritt und ich freue mich auf viele weitere Ergüsse aus tiefster Seele.

  2. Susanne says:

    Gratuliere zu diesem Schritt! Ich freue mich, in deine Gedankenwelt einzutauchen :-)
    Super gelungen!

    • soulgush says:

      Спасибо большое, моя милая! Я скучаю по тебе!! <3 До скорого! :)

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